“Bayern reibt sich gerne an Preußen” …
1. Februar 2012… ist die Überschrift über ein Interview mit dem Berliner Finanzsenator Ulrich Nussbaum, das eine große Münchner TageSZeitung am 30.1.2012 in ihrem Bayernteil veröffentlichte. Nussbaum, der zuvor schon als Finanzminister und oberster Schuldenmacher in dem für seine vorbildliche Haushaltsführung berühmten deutschen Bundesland Bremen tätig war, gibt interessante Einblicke in die Gedankenwelt eines Politikers, der auf der Nehmerseite von Landesfinanzausgleich und anderen Transferleistungen steht.
“… Servus, oder wie heißt das?” begrüßt Nussbaum den Redakteur der SZ. “Wir Preußen wissen ja, dass die Bayern oft vor Kraft nicht laufen können”, geht es weiter, bevor Nussbaum uns mit dem Hinweis überrascht, dass unserer Politiker “… Argumentation gegen den Länderfinanzausgleich schon etwas schwierig ist.” Wieso, denkt sich der durchschnittliche Bayernparteiler. Jetzt kommt sicher gleich der Hinweis darauf, dass Bayern Berlin ja nicht nur durch den Länderfinanzausgleich finanzieren muss, sondern auch durch Hartz IV- und Sozialversicherungstransfers, Bundesergänzungszuweisungen, allgemeine Bundesausgaben und die gar nicht zu beziffernde Umsatzsteuerumlage. Stattdessen singt Herr Nussbaum das immer wieder beliebte Lied, daß “… Bayern ja selbst mehr als 30 Jahre lang die Hilfe anderer Bundesländer in Anspruch genommen hat, um sich zu entwickeln.” Natürlich verschweigt unser Berliner Freund, dass die gegenwärtigen Transferleistungen Bayerns in den Bund inflationsbereinigt in 1 Jahr höher liegen als Bayern in seinen 38 Jahren als Nehmerland insgesamt aus dem Länderfinanzausgleich erhalten hat. Peanuts für den Herrn Finanzsenator! Aber immerhin: “Hut ab, die Bayern haben etwas daraus gemacht.” bescheinigt uns der hohe Herr süffisant, anstatt sich dafür zu entschuldigen, dass er über Jahre unser Geld nehmen muss. Nussbaum sendet noch nicht mal ein Anzeichen von Dankbarkeit, gerade so, als wäre der Erhalt von 3 Milliarden Euro im Jahr aus Bayern ein gottgegebenes Anrecht der Berliner.
Derartig ver….albert ahnt der bayerische Steuer-, Länderfinanzausgleichseinzahler und Berlin-, Deutschland- und Griechenlandretter, was als Nächstes kommt. “Wir haben schon lange den Eindruck, dass die Bayern sich hier wohlfühlen und deshalb auch gerne bei uns mitreden wollen.” Hä? Bayern, die sich in Berlin wohlfühlen? Die einzigen Bayern, die es nach Berlin zieht, sind gewisse Politikehrgeizlinge aus der CSU, die wirklich glauben, im Bund noch Karriere machen zu können. Und mitreden wollen tät’ ich schon ganz gern tun mögen, wenn ich schon die Ehre hab’ zu zahlen.
In diesem Stil schwadroniert der Herr Berliner Finanzsenator noch über die Ungerechtigkeiten dieser Welt, etwa, dass es Berlin strukturbedingt an Wirtschaftskraft mangelt, Bayern sich einen landesinternen Finanzausgleich leisten kann und die Menschen in den bayerischen Grenzregionen straflos dort wohnen bleiben dürfen und nicht nach Starnberg zwangsumgesiedelt werden. Zum Schluß rechnet er uns noch vor, daß Bayern viel mehr Geld ausgibt als es aus seiner Sicht eigentlich dürfte und Berlin viel sparsamer haushält als die Geldverschwender im Süden. Weiter geht’s: “An Berlin werden Projekte in Bayern nicht scheitern.” Und der Münchner rechnet: Wenn wir uns zukünftig unsere Transferleistungen nach Berlin sparen, bekommen wir die 2. Stammstrecke in wieviel Monaten?
Ekelhaft und verabscheuungswürdig sind die Arroganz und Ignoranz, mit der der Berliner Finanzsenator seinen größten Geldgeber derbleckt. “Ein gewisses Lächeln” hat er dafür übrig, daß Bayern bis 2030 schuldenfrei sein möchte.
So, so Herr Finanzsenator, wenn dem so ist, dann appelliere ich an den Bayerischen Ministerpräsidenten:
Herr Ministerpräsident, sorgen Sie dafür, dass Ihr Traum von einem schuldenfreien Bayern bis 2030 Realität wird! Ganz Bayern wird Sie in diesem Vorhaben unterstützen.
Stellen Sie mit sofortiger Wirkung alle Transferleistungen an die Bundesrepublik Deutschland ein!
Beenden Sie schnellstmöglich die Mitgliedschaft Bayerns in der Bundesrepublik Deutschland!
Lassen Sie Bayern seine Interessen in Brüssel unmittelbar und selbstbestimmt vertreten!
Für ein unabhängiges Bayern!
Denn wie sagt Herr Nussbaum so richtig, wenn auch in einem gänzlich anderen Zusammenhang auf die bayerische Politik gemünzt: “Ich glaube nicht, dass die Bayerinnen und Bayern sich für dumm verkaufen lassen.” Stimmt! Wo er Recht hat, hat er Recht, der Saupreiß!
Walter Pohl
Stv. Kreisvorsitzender
BP EBE
Kommentar schreiben


